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Handbuch "Erben und vererben"

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Wenn jemand aus der Familie stirbt, ist das ein sehr emotionales Thema. Man möchte sich eigentlich nicht mit rechtlichen Formalitäten befassen. Dennoch stellt sich zwangsläufig irgendwann die Frage nach möglichem Erbe. Sei es ein Gelderbe, Sacherbe oder auch das Erben von Schulden. Doch an welcher Stelle stehen Sie?

Unsere Checkliste gibt Anhaltspunkte:

1. Wurde ein Testament hinterlassen?

Wenn ja, dann gilt natürlich die darin festgelegte Erbfolge. Wenn der Erblasser jedoch kein Testament hinterlassen hat, dann greift die "gesetzliche Erbfolge", die in den §§ 1922-2385 BGB geregelt ist. Sie teilt die hinterbliebenen Verwandten des Erblassers in sogenannte "Ordnungen" ein. Für diese Ordnungen gilt, dass die spätere Ordnung nur dann erben kann, wenn es keine Erben der vorhergehenden Ordnung mehr gibt. Ein Erbe der 3. Ordnung kann also nur dann etwas erben, wenn es weder einen Erben der 1. noch einen Erben der 2. Ordnung gibt.

Es gilt also zu prüfen, welcher Ordnung Sie angehören und ob es Erben gibt, die zu einer niedrigeren (vorrangigen) Ordnung zählen.


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2. Gehören Sie zu den Erben 1. Ordnung (§ 1924)? Gibt es (weitere) Erben, die dieser Ordnung angehören?

Zur 1. Ordnung zählen ausschließlich die Abkömmlinge des Erblassers in gerader Linie.
a) Kinder/Adoptivkinder
b) Enkel
c) Urenkel
Sie erben alle zu gleichen Teilen, d.h. alle Kinder erben gleich viel. Es gilt allerdings, dass die Kinder vor den Enkeln und die Enkel vor den Urenkeln erben!

Hierzu ein Beispiel:

Ulrich hinterlässt 30.000 € und hat 3 Kinder - Jens, Hans und Tina. Hans ist bereits verstorben, hat aber die Enkelkinder Tim und Tom hinterlassen. Laut der gesetzlichen Erbfolge erben Jens, Hans und Tina jeweils ein Drittel des Erbes (jeweils 10.000 €). Jens und Tina leben noch und erhalten ihr Drittel. Hans lebt nicht mehr, also geht sein Anteil auf die Enkel Tim und Tom über. Von ihnen erbt jeder die Hälfte von Hans Drittel (10.000 €), also ein Sechstel (jeweils 5.000 €).


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3. Gehören Sie zu den Erben 2. Ordnung (§ 1925)? Gibt es (weitere) Erben dieser Ordnung?

Zur 2. Ordnung zählen die nächsten Verwandten.
a) Mutter und Vater
b) Geschwister
c) Neffen und Nichten
Auch hier gilt wieder, alle erben zu gleichen Teilen. Es gilt allerdings, dass die Eltern vor den Geschwistern und die Geschwister vor den Neffen/Nichten erben! Außerdem ist zu beachten, dass Erben der 2. Ordnung nur dann etwas erben, wenn es keinen Erben 1. Ordnung gibt.

Hierzu ein Beispiel:

Tanja hinterlässt 30.000 €, hat keine Kinder, ihr Vater ist bereits gestorben, aber ihre Mutter, ihr Bruder Kai und die Tochter ihrer bereits verstorbenen Schwester Marita leben noch. Die Mutter erhält die Hälfte der Erbes (15.000 €). Kai und Marita teilen sich die andere Hälfte zu je einem Viertel (7.500 €). Da Marita bereits verstorben ist, geht ihr Anspruch auf ihre Tochter über, diese erhält die anderen 7.500 €. Wenn beide Elternteile Tanjas noch gelebt hätten, wäre das gesamte Erbe allein unter ihnen zu gleichen Teilen verteilt worden.


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4. Gehören Sie zu den Erben 3. Ordnung (§ 1926)? Gibt es (weitere) Erben dieser Ordnung?

Zur 3. Ordnung zählen etwas weiter entfernte Verwandte.
a) Großmutter und Großvater
b) Onkel und Tanten
c) Cousins und Cousinen
Hier gilt ebenfalls: Alle erben zu gleichen Teilen, aber Großeltern erben vor Onkel und Tanten und diese vor Cousins und Cousinen. Ab dieser Ordnung wird die Verteilung des Erbes jedoch komplizierter, da es hier die Verwandtschaft mütterlicher- und väterlicherseits zu beachten gilt, wodurch sich das Erbe stark splittert.

Hierzu ein Beispiel:

Martin hinterlässt 30.000 €. Er hat keine Kinder, seine Eltern leben nicht mehr und er war ein Einzelkind. Mögliche Erben sind also seine Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits sowie seine Onkel/Tanten und Cousins/Cousinen. Martins Großeltern erben zu gleichen Teilen, also jeweils 15.000 €. Martins Großeltern väterlicherseits sind verstorben. Die nächsten möglichen Erben sind Martins Onkel und Tante väterlicherseits. Beide erben den Anteil ihrer Eltern zu gleichen Teilen, also jeder 7.500 €. Da Martins Onkel auch bereits verstorben ist, erben dessen Kinder (Martins Cousin und Cousine) den Anteil des Onkels zu gleichen Teilen. Das heißt von ihnen bekommt jeder 3.750 €. Da Martins Großeltern mütterlicherseits noch leben, erhalten sie ihren Anteil von 15.000 € und Martins Onkel/Tanten mütterlicherseits erben nichts.


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5. Gehören Sie zu den Erben 4. Ordnung (§ 1928)? Gibt es (weitere) Erben dieser Ordnung?

Zur 4. Ordnung zählen nun die noch weiter entfernten Verwandten.
a) Urgroßmutter und Urgroßvater
c) Großonkel und Großtanten
c) Großcousins und Großcousinen
Für diese Ordnung gilt allerdings, dass einzig derjenige erbt, der dem Erblasser am nächsten verwandt ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass man eine zu große Zersplitterung des Erbes vermeiden möchte.

Hierzu ein Beispiel:

Michaela hinterlässt 30.000 €. Sie hat keine Kinder, keine Geschwister und keine Onkel oder Tanten. Ihre Eltern und ihre Großeltern sind bereits verstorben. Die einzigen lebenden Verwandten sind ihre Urgroßeltern väterlicherseits und ihre Großtante mütterlicherseits. Ihre Urgroßeltern väterlicherseits werden somit die alleinigen Erben.


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6. Gehören Sie zu den Erben der ferneren Ordnung (§ 1929)? Gibt es (weitere) Erben dieser Ordnung?

Zu dieser Ordnung zählen noch weiter entfernte Voreltern des Erblassers und deren Nachkommen. Für sie gilt dieselbe Reihenfolge wie in der 4. Ordnung.


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7. Sind Sie Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner des Erblassers? (§ 1931)

Dann gilt für Sie ein gesondertes Erbrecht, denn Sie zählen auch nach der Eheschließung nicht zur Verwandtschaft des Erblassers, sondern haben einen Sonderstatus inne. Der Erbanteil ist gesetzlich geregelt und orientiert sich zum einen am ehelichen Güterstand, zum anderen am Ordnungsgrad der übrigen Erben. Der Ehegatte erbt jedoch immer mindestens ¼ des gesamten Erbes.

>> Bei Miterben 1. Ordnung erbt der Ehegatte bei einem Kind die Hälfte, bei zwei Kindern ein Drittel und bei drei oder mehr Kindern ein Viertel. Beim Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte in jedem Fall die Hälfte.

>> Bei Miterben 1. Ordnung erbt der Ehegatte die Hälfte, bei Zugewinngemeinschaft sogar drei Viertel des Erbes.

>> Bei Miterben 3. Ordnung erbt der Ehegatte die Hälfte, bei Zugewinngemeinschaft drei Viertel des Erbes. Wenn alle Großelternteile des Erblassers verstorben sind, erbt der Ehegatte allein, da dann kein weiterer Erbe der 3. Ordnung einen Anspruch hat.

>> Erben 4. Ordnung haben bei einem lebenden Ehegatten keinerlei Anspruch auf einen Erbanteil, gleiches gilt für Erben fernerer Ordnung.


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